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Appendix

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GRUMBACH-Incubator (Mod. BS 420) mit zahlreichen Gelegen

GRUMBACH-Inkubator (Mod. BSS 420) mit zahlreichen Gelegen

Verwandtschaftsbeziehungen der Reptilien untereinander:
Heloderma sind nahe Verwandte unserer Blindschleiche !


Verwandtschaftsbeziehungen der Reptilien untereinander

Quelle: N. Vidal, S.B. Hedges / C. R. Biologies 328 (2005) 1000 - 1008 (Lit. 36)


Bartagame (Pogona spec.)

Giftige Hausgesellen


Überraschende Eiweißfunde bei "harmlosen" Echsen


Viele Leguane, Agamen und Warane dieser Welt werden als Haustiere geschätzt, nicht wenige werden handzahm und unbekümmert als Spielkamerad gehalten. Doch ganz so harmlos, wie es scheinen mag und selbst Reptilienfachleute von jeher meinen, sind die urigen Schuppentiere offenbar gar nicht. Denn viele der Echsen produzieren wie die Schlangen ein Gemisch aus Giften, das denen der beinlosen Verwandten erstaunlich ähnelt. Damit gerät nicht nur ein uraltes Bild ins Wanken, das sich Terrarianer von ihren wärmeliebenden Hausgenossen machen. Die gesamte Taxonomie und der Stammbaum der Reptilien steht vor einem Umbruch. Verantwortlich dafür sind neuere Veröffentlichungen der Gruppe um den australischen Giftexperten Bryan G. Fry von der University of Melbourne in Parkville, der den Mundspeichel und die Anatomie zahlreicher Warane und Leguane analysiert und nach speziellen Gifteiweißen gesucht hat.

Bisher war man in dieser Hinsicht nur bei den Schlangen und bei zwei schon im Aussehen außergewöhnlichen und darüber hinaus eng verwandten Echsen fünfundig geworden: den Krustenechsen wie dem australischen "Gilamonster", die die durchaus auch für Menschen gefährlichen Giftcocktails in speziellen Unterkieferdrüsen produzieren. Schwellungen, Blutungen, Atembeschwerden, Muskelschmerzen und andere Symptome, die man nach Bissen etwa von Waranen immer wieder beobachtete, führte man traditionell auf Verunreinigungen des Speichels mit Keimen zurück. Häufig wohl ein Trugschluß, wie sich jetzt zeigt. In der Online-Ausgabe der Zeitschrift "Nature" berichteten Fry und seine Kollegen kürzlich, daß man in kleinen Drüsen im Ober- oder Unterkiefer von Waranen und Leguanen nicht weniger als neun toxische Eiweißverbindungen entdeckt hat. Sieben davon hatte man bisher ausschließlich bei Giftschlangen vermutet, darunter etwa den "Kobra-Giftfaktor" oder Vespryn, die dort in speziellen Giftdrüsen im Oberkiefer produziert und durch Giftzähne in die Beute injiziert werden. Im Unterkiefer von Waranen hat man eine Phospholipase A2 gefunden, die als exklusiver Inhaltsstoff von Gilamonster und Krustenechse galten. Damit rücken die Warane stammesgeschichtlich nahe an diese beiden Giftechsen heran.

Wie eng die Echsen mit den Giftschlangen offenbar verwandt sind, zeigt auch ein Proteinfund bei dem Buntwaran, Varanus varius: Er produziert das sogenannte Crotamin, ein Gifteiweiß, das für Klapperschlangen charakteristisch ist. Bei Experimenten mit Ratten hat sich gezeigt, daß der Speichel des Buntwarans die Nagetiere rasch zu betäuben und deren Blutdruck abrupt abzusenken vermag. Das Gift wird bei dem stattlichen Reptil in schon recht gut ausgebildeten Drüsen des Ober- und Unterkiefers erzeugt. Bei der östlichen Bartagame (Pogona barbata) hingegen, einer ebenfalls in Australien beheimateten stachelschuppigen Echse, die wegen ihrer Zutraulichkeit als Terrarientier besonders geschätzt wird, verteilt sich die Giftproduktion auf offensichtlich primitivere und kleinere, in den Kiefern verteilte Drüsenzellaggregate. Die Bartagame dürfte neben den Krustenechsen und dem Gilamonster einem gemeinsamen Vorfahr aller Giftschlangen und -echsen am nächsten stehen. Aus paläontologischen Vergleichen schließen die Forscher, daß die Ausbildung von Giftdrüsen bei den Reptilien wohl schon vor etwa zweihundert Millionen Jahren begann, also rund hundert Millionen Jahre früher als vermutet.

Die Gruppe der heutigen giftbewehrten Schuppenkriechtiere ist mit der Veröffentlichung der australischen Forscher nun plötzlich sogar in der Mehrzahl: Knapp 58 Prozent, 4900 von 7900 Reptilienarten zählen zur Verwandtschaft der Schlangen, Leguane, Agamen, Warane und Krustentiere. Die meisten davon freilich sind für den Menschen wenig gefährlich, bei der Jagd und Verwertung der kleinen Beutetiere aber wohl durchaus segensreich.

JOACHIM MÜLLER-JUNG

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04.06.2006


Anmerkung des WEB-Autors: EXENATIDE ist Bestandteil des GIFTES von Heloderma suspectum    (vergl. Lit. 1)

Dier neue Hoffnung für Zuckerkranke, Bildzeitung 30.06.2005!
Quelle: Bild vom 30.06.2005

Dieses Monster soll Diabetikern helfen

Gila-Krustenechse im HabitatIm nächsten Jahr wird ein neuartiges Medikament für Zuckerkranke zugelassen.
Es wurde aus dem Speichel der Gila-Krustenechse entwickelt.

VON BERND SCHWEDHELM

Sie ist knapp einen halben Meter lang, schwarz-orangefarbene Flecken bedecken ihren schuppigen Körper, und ihr
Biss ist extrem schmerzhaft - die in den Wüsten der südlichen USA vorkommende Gila-Krustenechse ist kein Tier, dem man gern begegnen möchte.
Und doch enthält ihr Körper etwas, das vielen Menschen Nutzen bringen wird: Ein Eiweißstoff in ihrem Speichel

(Exendin-4) kann Diabetikern helfen, ihren Blutzucker in den Griff zu kriegen.
Ein daraus entwickeltes Medikament (Wirkstoff Exenatid) soll im nächsten Jahr in Deutschland zugelassen werden.
„Exenatid wird beim Diabetes Typ 2 eingesetzt“, erklärt Professor Michael Nauck vom Diabeteszentrum in Bad Lauterberg.
Bei dieser Diabetesform ist zu wenig vom körpereigenen Blutzuckerhormon Insulin vorhanden, oder das Hormon wirkt nicht mehr richtig. Dadurch erhöht sich der Blutzucker.
Kurzfristig kann das zu Schwächegefühl und großem Durst führen. Häufig wird die Erkrankung, an der mehrere Millionen Deutsche leiden, jedoch erst nach Jahren bemerkt. Dann drohen als Spätfolgen Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Nierenversagen. „Zu Beginn der Therapie sollten die häufig übergewichtigen Patienten durch mehr Bewegung und bessere Ernährung abnehmen“, so Experte Professor Nauck. „Besonders bei Frühformen der Erkrankung kann so zum Teil der Blutzucker wieder normalisiert werden.“ Reicht das jedoch nicht aus, werden Tabletten (meist zunächst der Wirkstoff Metformin) verordnet. Wenn auch das nicht reicht, muss der Patient Insulin spritzen. Eine sehr wirksame Therapie – aber keine harmlose. Insulin senkt den Blutzucker nämlich auf jeden Fall. Wenn man sich das Medikament (Insulin) also spritzt und dann nicht genug isst, droht eine Unterzuckerung.

Hier ist Exenatid anders: Es wirkt ernährungsabhängig. „Auf eine Nahrungsaufnahme folgt eine Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse ins Blut. Vermittelt wird diese Ausschüttung von bestimmten Hormonen aus dem Darm, den sogenannten Inkretinen. Bei der Erforschung dieses Mechanismus waren deutsche Forscher führend“, so Professor Nauck. Sie erkannten: Wenn es gelingt, die Wirkung der Inkretine durch ein Medikament zu „imitieren“, dann würde dieses Mittel nur genau dann wirken, wenn der Blutzucker auch wirklich erhöht ist. Und hier kam die Krustenechse ins Spiel: Der New Yorker Hormonforscher Dr. John Eng hatte den Speichel des Gila-Monsters untersucht. Die einzige Erklärung dafür war, dass das „vorher noch keiner untersucht hatte“. Und er fand im Speichel der Tiere ein Hormon, das den menschlichen Inkretinen sehr ähnelte. Tausende von Laboruntersuchungen folgten, Tierversuche und schließlich klinische Tests. Inzwischen ist Exenatid bereits in den USA zugelassen, Hersteller Lilly erwartet eine Zulassung in Deutschland in der ersten Jahreshälfte 2007. Nebenwirkungsfrei ist das Mittel, das einmal täglich unter die Haut injiziert wird, aber nicht: „In den ersten Tagen der Behandlung klagt ein Teil der Patienten über Übelkeit, das geht allerdings vorüber“, so Professor Nauck. Der Experte glaubt, dass das Echsen-Medikament nur das erste von zahlreichen neuen Medikamenten sein wird, die Diabetikern das Leben leichter machen: „Die Forschung geht hier ständig weiter. Mehrere weitere Medikamente werden in den nächsten Jahren auf den Markt kommen.“

Quelle: Bild am Sonntag vom 12.11.06


Blutzuckersenkender Wirkstoff der Krustenechse auch für europäische Zulassung empfohlen

(06.10.2006) Ende September hat sich die europäische Arzneimittelkommission (EMEA) dafür ausgesprochen, die neue Substanz Exenatide in Europa zur Behandlung des Typ 2 Diabetes zuzulassen. In den USA ist dieses erste Medikament aus der neuen Substanzklasse der sogenannten Inkretin-Mimetika bereits seit April 2005 zugelassen. Inkretin-Mimetika bedeutet, dass es sich hierbei um Stoffe handelt, welche die körpereigenen Inkretine (Darmhormone) nachahmen.

Seit langem ist bekannt, dass der Darm nach dem Essen kohlehydratreicher Mahlzeiten Botenstoffe aussendet. Diese Darmhormone sind für den Inkretin-Effekt verantwortlich. Der bedeutet, dass die Insulinfreisetzung der Bauchspeicheldrüse stärker angekurbelt wird, wenn Zucker als Essen oder Getränk in den Körper gelangt, als wenn die Glukose den Magendarmtrakt umgehend als Infusion zugeführt wird. Hauptsächlich verantwortlicher Vermittler für diese Inkretinwirkung ist das Hormon GLP-1 aus dem Dünndarm. Es stimuliert abhängig vom Blutzucker die Insulinfreisetzung, hemmt den Insulingegenspieler Glukagon, verlangsamt die Magenentleerung und spielt eine wichtige Rolle dabei, wie da Gefühl der Sättigung entsteht. Die nach dem Essen entstehenden Blutzuckerspitzen werden so gebremst. Besonders attraktiv ist dieser Ansatz der Diabetestherapie, da Exenatide seine Wirkung abhängig von der Höhe des Blutzuckerspiegels entfaltet. Das Risiko von Unterzuckerungen ist damit deutlich vermindert. Ein weiterer Pluspunkt bei der Behandlung mit Exenatide ist, dass es zu einer deutlichen Gewichtsreduktion führt. Die häufigste unerwünschte Wirkung waren leichte bis moderate Übelkeit, die zu Beginn der Therapie auftreten kann.

Das körpereigene GLP-1 ist zur Therapie ungeeignet, da es von speziellen Enzymen sehr rasch abgebaut wird. Zufällig entdeckte der New Yorker Endokrinologe John Eng Anfang der 90er Jahre im Speichel der in Arizona verbreiteten Krustenechse (Heloderma suspectum) das Peptidhormon Exendin-4, dessen Aminosäurenkette etwa zur Hälfte mit GLP-1 übereinstimmt. Exenatide ist die synthetisch hergestellte Version des Echsenpeptids, die an dem gleichen Rezeptor andockt, aber wesentlich länger wirkt. Es muss ebenso wie Insulin mit einem Pen unter die Haut gespritzt werden. Empfohlen wird der Wirkstoff von der EMEA für Menschen mit Typ 2 Diabetes in Kombination mit Metformin und/ oder Sulfonylharnstoffen bei Patienten, die keine ausreichende gute Blutzuckereinstellung unter der maximal tolerierten Dosierung dieser oralen Diabetesmedikamente haben. Anfang 2007 wird Exenatide hierzulande unter der Handelsnamen Byetta® von dem Herstellern Eli Lilly und Amylin auf den Markt kommen.

Kirsten Lindloff, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung

Quelle: EMEA, Committee for medicinal products for human use summary of positive opinion for BYETTA. London, 21.09.2006;
http://www.emea.europa.eu/pdfs/human/opinion/33765706en.pdf
nordamerikanische Krustenechse

Das zufällig im Speichel der nordamerikanischen Krustenechse entdeckte Hormon Exendin-4 führte zur Entwicklung eines neuartigen Antidiabetikums

Gießener Allgemeine Zeitung: Kritik am Verbot gefährlicher Wildtiere in Privathaushalten.


Wetzlarer Neue Zeitung am 09.05.2016: Kerlchen werden sehr zutraulich

Seit Jahrzehnten hält Hans-Joachim Schwandt in Aßlar Krustenechsen

ASSLAR Schön ist die Krustenechse mit dem lateinischen Namen "Heloderma suspectum" und ihrer hellen Zeichnung auf schwarzem Grund. Und eigentlich sind die kräftigen Tiere, die eine Länge von 60 Zentimetern erreichen können, auch ganz friedlich.

Dr. Schwandt mit einem seiner Gila MonsterDennoch gilt es, sie besonders vorsichtig zu behandeln, denn die Echsen sind giftig. Einer, der sich mit den amerikanischen Tieren bestens auskennt, ist Dr. Hans-Joachim Schwandt. "Irgendwann habe ich mich einfach in diese Kerlchen verliebt", erzählt der Pharmazeut, der die Krustenechsen seit Jahren mit einer Sondergenehmigung hält.

Rundgang im Reich von Hans-Joachim Schwandt, der bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2001 als Laborleiter am Zentrum für Kinderheilkunde der Gießener Justus-Liebig-Universität gearbeitet hat und auf vier Jahrzehnte Erfahrung mit Reptilien zurückblickt. Das wird bei der Begehung sofort deutlich: In den Räumen des Forschers, der sich mit den Echsen aus wissenschaftlichen Gründen befasst, steht eine ganze Batterie geräumiger Terrarien mit reichlich Sand und Versteckmöglichkeiten.

Die ganze Anlage mit ihren schätzungsweise einen Meter hohen und völlig ausbruchssicheren Becken, in denen für artgerechte Temperatur gesorgt ist, ist hochprofessionell. Die Terrarien beherbergen alles in allem rund 40 Tiere, die fast alle einen Namen haben und denen die Besucheraugen zunächst mal völlig egal sind.

Erst als Schwandt, der eine umfangreiche und detaillierte wissenschaftliche Dokumentation im Internet unter www.heloderma.net veröffentlicht, eine der Echsen mit fachmännischem Griff aus ihrem Domizil nimmt, findet die das nicht so toll. Einen Moment lang faucht das Tier, das allerdings Schwandts Stimme kennt und sich durch Zureden beruhigen lässt.

"Diese Kerlchen werden sehr zutraulich, trotzdem ist immer äußerste Vorsicht geboten", weiß der Experte, der in den 70er Jahren auch Klapperschlangen gehalten hat. Grundsätzlich gelte aber auch für Krustenechsen das, was für Schlangen gilt: "Gebissen werden in der Regel die Menschen, die die Tiere nicht in Ruhe lassen. Sie sind dann meist selber schuld", betont der Fachmann.

Tödlich ist das Gift der Krustenechsen unter normalen Umständen nicht. Es verursacht aber eine über mehrere Tage anhaltende Schwellung und starke Schmerzen, die nach einiger Zeit wieder abklingen.

Heute werden in Hessen keine neuen Genehmigungen für die Haltung giftiger Tiere erteilt

"Ich habe eine Sondergenehmigung, diese Echsen zu halten und zu züchten sowie für den Import und Export", erläutert der Pharmazeut, der mit Reptilien während seiner akademischen Jahre in den USA in Kontakt gekommen war. Heute ist der Erhalt einer solchen Genehmigung, auch durch einen so genannten Sachkundenachweis, nicht mehr möglich.

"Hessen hat diesen Nachweis ganz bewusst nicht anerkannt. Altbesitz wird akzeptiert, ein Einstieg in die Haltung giftiger Tiere ist dagegen nicht mehr möglich", weiß Schwandt, der insbesondere auf Farbvarianten züchtet und beispielsweise auch Tiere an Zoos in Spanien, Italien und in die Schweiz abgegeben hat.

Und die Pflege? "Das ist kein Hobby wie Briefmarkensammeln", lächelt der Reptilienkenner, der seine Schützlinge mit Mäusen füttert. Gerade eben habe er in den Terrarien den Sand gewechselt, was allerdings nur in relativ großen Abständen erfolgen müsse.

Dann aber werden pro Becken fünf Eimer Sand zunächst vollständig getrocknet und schließlich eingebracht, berichtet Schwandt. Besonders anspruchsvoll wird die Pflege, wenn die Tiere krank sind.

Dann könne er jedoch auf die Analysekompetenzen eines Berliner Labors vertrauen, so der Aßlarer, der betont: "Es geht um Verantwortung für meine Tiere." Übrigens: Schon als Kind hatte der gebürtige Berliner großes Interesse an Reptilien und sammelte nach Kriegsende in Bombenkratern Molche. "Das war immer schon ein Thema", resümiert Schwandt.


Ein Höhepunkt ( Highlight ) !

Hans- Jörg Wiedl und J. Schwandt mit Macrovipera lebetina cypriensis R.

Hans- Jörg Wiedl und J. Schwandt mit Macrovipera lebetina cypriensis R.

Zypern-Exkursion im Oktober 2008 mit Hans-Jörg Wiedl ("Snake George"), dem Wiederentdecker (1992) und erfolgreichen Züchter der verschollenen zypriotischen Ringelnatter ( Natrix n. cypriaca ). Er setzt sich seither vor Ort für den Schutz der Herpetofauna Zypern`s durch Zuchtvorhaben und Aufklärungsarbeit der Bevölkerung in seinem Reptilienpark in Paphos ein.

Danke George für die professionellen Unterweisungen und die "ergiebigen", ausgedehnten Exkursionen.



20 junge Ringelnattern in die Freiheit entlassen

In Aßlar geschlüpfte Tiere fanden am Rand der Stadt ein neues Zuhause – Für Menschen völlig ungefährlich

Gießen (ck). Sie sind ungefähr 15 Zentimeter lang und knapp bleistiftdick und sie wollen nur eins: raus aus dieser blöden Kiste, die in den letzten Stunden ihr Domizil gewesen ist. Und kaum haben »Papa« Dr. Jochen Schwandt und Dr. Hans-Joachim Grommelt den Deckel geöffnet, da schlängeln sie sich über den Rand in die Freiheit. Die Rede ist von 20 jungen Ringelnattern, die vor einigen Tagen in einem Naturschutzgebiet am Rande Gießens eine neue Heimat erhalten haben und seitdem die dortige Fauna bereichern.

Ringelnattern kommen in die Freiheit

Kaum hatten Dr. Jochen Schwandt (r.) und Dr. Hans-Joachim Grommelt die Kiste geöffnet, da schlängelten sich die rund 15 Zentimeter langen Jungnattern über den Rand in die Freiheit.
Foto: Schepp
Gebürtige Gießener sind die Neubewohner nicht. Gechlüpft sind sie im Keller eines Wohnhauses in Aßlar, wo Schwandt ihrer Mama einen kuschligen Ort zur Eiablage eingerichtet hatte. Auf die Ringelnatter aufmerksam gemacht geworden war der Experte, der mehr als 20 Jahre selbst Schlangen züchtete, von den Bewohnern eines Neubaugebiets in Aßlar. Schnell hatte er erkannt, dass das Tier »in anderen Umständen war«. Und da es in weiten Kreisen der Bevölkerung immer noch Vorbehalte gegen Schlangen gibt, es für die Schlange zudem schwierig geworden wäre, einen geeigneten Brutplatz zu finden, hatte Schwandt die werdende Mutter mit nach Hause genommen. 34 Tage nach der Eiablage schlängelten sich dann die Nachwuchsnattern aus den Schalen.

Während das Muttertier an der Dill eine neue Heimat fand, ging in Gießen Umweltamtsleiter Grommelt – wie Schwandt in der Agenda- 21-Gruppe »Natur- und Umweltschutz « aktiv – auf die Suche nach einem geeigneten Domizil für den Nachwuchs. Und nachdem dieses gefunden war, stand dem Tag der Freilassung nichts mehr im Wege. Beide Naturfreunde hoffen nun, dass die jungen Tiere zu stattlichen Ringelnattern heranwachsen, ohne zuvor von ihren Fressfeinden (Vögeln, Füchsen, Katzen…) erwischt zu werden. Sie selbst werden sich in Zukunft vor allem von kleinen Fischen, Amphibien oder Insekten ernähren.

Ringelnattern bei der Eiablage

Die Ringelnattermama mit dem werdenden Nachwuchs in ihrem Gelege im Haus von Dr. Jochen Schwandt in Aßlar.
Foto: pv

Für Menschen sind Ringelnattern, die auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere stehen und bis zu etwa 1,20 Meter lang werden können, ungefährlich. Im Gegenteil: Der Mensch gehört zu ihren größten Feinden: Immer wieder werden Tiere von Autos überfahren oder zuweilen gar erschlagen.

Den »schlechten Ruf« der Tiere, der wohl vor allem auf Unwissenheit beruhen dürfte, bedauert auch Schwandt. Nach seinem Pharmaziestudium war der gebürtige Berliner in den USA erstmals mit den Reptilien in Berührung gekommen und hatte in der Folge Schlangen gezüchtet. Seit einigen Jahren hat er Krustenechsen – die einzigen bekannten giftigen Eidechsen – zu seinem Forschungsobjekt auserkoren und gilt als einer der führenden Experten in Sachen Heloderma suspectum.

Quelle: Gießener Anzeiger, 29.08.2009

 

Besuch bei Snake George auf PaphosSnake George is a very interesting person and with this comes knowing some interesting people.
George brought 3 interesting people into our office one day.
Their names are: Jochen Schwandt Ph.D, Bjoern Lindstaedt and Dennis Bruseus.

These three Gentlemen are from Germany and are here to visit George and help in any way they can.
Jochen and Snake George have been in contact for many years and Jochen shares an interest in protecting the Grass Snake of Cyprus. Bjoern’s parents are residents here in Cyprus, not too far from Snake George’s Park and when on one of many visits to Cyprus Bjoern visited the park and met with George and Dennis came out to Cyprus on a visit with Bjoern and met Snake George.

All three of the gentlemen are very interested in the things George does and hopes that he will continue in his efforts to educate the people of Cyprus about snakes and reptiles. All are currently living in Hessen, Germany, where they are involved in reptiles and snakes. In Hessen it is currently illegal to have poisonous snakes as pets or to keep them. But you can acquire a permit to have them for a “park”.

All three are members of the D.G.H.T (Deutsche Gesellschaft fur Herpetologie und Terraienkunde or the German Society for Herpetology). This society can help George in his efforts with support, ideas and maybe even financial help. For Bjoern, his love of Snakes and reptiles is a hobby but a very serious one. He hasn’t snakes as much as others but is truly fascinated by them. The same is to be said for Dennis. Jochen on the other hand has made it his duty to study these fascinating creatures. He has kept rattlesnakes, American and European Colubrid Snakes and in 2000 until now he is concentrating on breeding of the Heloderma suspectrum of reptiles. You can visit his webpage: www.heloderma.net for more information.

Bjoern told me that he is really happy that he came out to Cyprus again. “It was supposed to be a holiday also but we’ve been out “snake hunting” with George! I’m amazed he knows this area so well and knows where to find certain species. I have seen so many species that I would never have seen without George’s help.” Dennis said “We heard about George’s problems through people we know in Germany and we wanted to see if there was anything we could help with. Jochen explained “In my experience, people in Europe are becoming more aware of the need to protect animals and reptiles; they are becoming more aware that if we sit by and do nothing then many species will become extinct. I am sad that the people of Cyprus have still not cottoned on to this notion and are still in the frame of mind that “A good snake is a dead snake”.

Only two days ago Snake George had a call out. I’m amazed at how professional George was, although he couldn’t find the snake to remove it, he gave the lady instructions on how to get the snake to leave without hurting the snake or for her to see the snake. She didn’t like snakes much!” The general consensus of these guys was that any town or city should be proud to have such an informative and unique park and it’s a shame that George may have to close. The park would and should attract many tourists and locals alike and should attract many more reptile mad men!!

So after a good old chin wag, I ask the guys if there were any last words: and there were!! Bjoern: Don’t kill the snakes! Dennis: Don’t kill the Snakes Please! Jochen: In the old days, the snake was looked upon as a symbol of intelligence, think about that! Also we must change our ideas about things we do not know about. If you do not know something how can you can be anti-it?! All humans and all creatures come from one the same energy; some people would refer to this energy as “God”. This is why we must live in peace and harmony.

©Copyright 2007 Polic & Latchi Magazine, Paphos - Cyprus, Nov. 2008 



Jochen Schwandt - der Schlangendoktor im Gießener Express


Eine echte Schlange im Kindergarten Aßlar

"Eine echte Schlange hab ich angefasst" haben gestern die meisten der 34 Aßlarer Vorschulkinder sicherlich berichtet, als sie von der Kindertagesstätte "Kirchberg" abgeholt worden sind. Jochen Schwandt war am Vormittag zu Gast und hatte eine (ungiftige) Königsnatter aus Mexiko mitgebracht. Der Aßlarer betreut seit 30 Jahren die Terrarien in der Gießener Kinderklinik. Kindern unbegründete Scheu vor den Reptilien zu nehmen, ist ihm ein Anliegen. Zu Beginn hat Lesepatin Maxi Böttcher die Geschichte von "Crictor, der guten Schlange" vorgelesen. Dann ließ Herr Schwandt die Kinder eine abgestreifte Schlangenhaut und die Schale von geschlüpften Schlangeneiern anfassen und zeigte ihnen ein Schlangenbaby. Dessen Papa durften die Kinder anfassen. Die einen tippten vorsichtig mit dem Finger, die anderen nahmen die Natter in die Hand und ließen sie an sich hochkriechen. Berührt haben fast alle Fünf- bis Sechsjährigen die Schlange und waren sich einig: "Die ist gar nicht eklig."


Quelle: WETZLARER ALLGEMEINE ZEITUNG 23.Nov.2007


Gebannt von mexikanischen Königsnattern (Gießener Anzeiger vom 10.02.1998)
Quelle: Giessener Anzeiger vom 10.02.1998, 30 Jahre Terrarium in der Kinderklink Gießen

Lit. 51, Anno 1878: So hat man vor ca. 130 Jahren Krustenechsen beschrieben.

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PDF Datei Aus "Brehms Tierleben"

Monster Sophie - der Filmstar im ZDF bei Dreharbeiten für "Marie kann zaubern" - II " Der weisse Raum"

Monster Sophie - der Filmstar im ZDF bei Dreharbeiten für "Marie kann zaubern" - II " Der weisse Raum"


Jakob Nicolussis Meinung: eine Krustenechse


Das Original des Beitrags von Jakob Nicolussi im «Schlern» vom März 1933 habe ich leider nicht zur Hand. Hier deshalb die entsprechende Passage aus dem Text von Hans Rudolf in der «Berliner Illustrirten Zeitung», Nr. 16, April 1935.

«Der Schuldirektor i.R. Jakob Nicolussi hat alle (im «Schlern» publizierten) Tatzelwurm-Beschreibungen zusammengestellt und verglichen und ist dabei zu dem folgenden beachtlichen Schluss gelangt:

«Im allgemeinen geht aus den Berichten hervor, dass wir uns im Tatzelwurm eine für unsere Gebiete ungewöhnlich grosse Echse von abstossendem Äusseren vorzustellen haben. Der Tatzelwurm erscheint zumeist in einer Körperlänge von 40 bis 60 Zentimeter, mit dem Umfang des Oberarms eines erwachsenen Menschen.» (In einigen, vielleicht phantastisch übertriebenen Berichten aus alter Zeit begegnet man riesenhaften Grössen von ein bis zwei Meter.)

«Fassen wir die Beschreibung kurz zusammen», führt Herr Nicolussi (...) aus: «Der Tatzelwurm gemahnt mit dem plumpen Rumpf, dem breiten Kopf, dem stumpfen Schwanz und den kurzen Beinen an unseren Salamander; seine äussere Bekleidung erweist ihn aber trotzdem als Familienglied der Eidechsen. Seine Haut ist mit groben, warzenartigen Schuppen bedeckt, die sich in ihrer engen Vereinigung oft als Krokodilschildern ähnliche Krusten darstellen. Das Maul ist breit, innen feuerrot, mit spitzen scharfen Zähnen und mit einer zweispaltigen Zunge ausgestattet. Er gilt als giftig, und es sollen auch tödliche Folgen seines Bisses verzeichnet sein. Sein scharfer Blick und seine zornige, kampfeslustige Haltung erinnern an die Kreuzotter.

Die ganze Erscheinung des Tiers in Körperbau, Bekleidung und Eigenschaften erinnert lebhaft an die Familie der giftigen Eidechsen, einzig in ihrer Art, welcher der Tatzelwurm angehören dürfte: Die Eidechsengattung wird genannt: Krustenechse, Heloderma (Brehms Tierleben, Kriechtiere, 2. Band, S. 120 ff.) Zu dieser Gattung von Eidechsen gehören zwei gut bekannte Tiere: Heloderma horridum, das Escorpion der Mexikaner, und Heloderma suspectum, das Gilatier der Wüsten von Arizona, Nordamerika; ferner die wenig bekannte Echse Lanthanotus borneensis der Insel Borneo.»

Gila Monster

Gila-Krustenechse oder Gilatier (Heloderma suspectum)
(aus: Brehms Tierleben, 4. Aufl. 1920)

Schuldirektor Nicolussi zitiert dann, was in «Brehms Tierleben» über die Familie dieser Echsen steht: «Der Leib ist gedrungen, der Schwanz walzenförmig und lang, die dritte Vorder- und Hinterzehe mit der vierten länger als die übrigen; das Trommelfell sichtbar; die warzige Körner darstellenden Schuppen stehen in Querreihen; die Zunge teilt sich vorn in zwei kurze platte Spitzen und erinnert auch sonst an die der Blindschleichen; die Zähne sind ähnlich wie bei den Schlangen gekrümmt, an der Wurzel etwas verdickt, verhältnismässig lose dem inneren Kieferrande angewachsen und ohne Höhlung an der Wurzel. Erwachsen erreicht die Krustenechse eine Länge von 60 Zentimeter. Im Knochenbau steht die Familie den Schleichen am nächsten; ihrer Gestalt nach kommt sie mehr mit den Waranen und Ameiven überein, ist aber weit plumper gebaut und durch den dicken, runden Schwanz hinlänglich unterschieden. Der platte, vorn abgestumpfte Kopf trägt auf dem Scheitel erhabene, verknöcherte, im Alter mit dem Schädel verwachsene Warzen; der Leib und die übrigen Teile sind mit halbkugeligen Warzenschuppen bedeckt; das ganze Fell fühlt sich deshalb rauh und körnig an. Die kegelförmigen, spitzen Zähne haben auf der Vorder- und Hinterseite eine deutliche Furche, die aber bei Lanthanotus fehlt. Die Färbung des sehr auffälligen Tiers erinnert an unseren Feuersalamander. Die dunkel oder erdbraun gefärbte Haut der Oberseite ist mit kleinen, nach Alter und Spielarten verschiedenen, von Weissgelb, Orangegelb bis zu Rotbraun abändernden Flecken gezeichnet; den Schwanz ringeln mehrere gelbe Binden; die Unterseite zeigt auf hornbraunem Grunde gelbliche Flecke. Bei dem Gilatier wiegt die helle, bei dem Escorpion die braune Färbung vor.»

Von einer gefangenen Krustenechse erzählt Brehm: «Durch unangenehmen Geruch und heimtückisches Wesen (sie ging sogar, wenn sie gestört wurde, unvermutet zum Angriff über und schnappte wütend nach dem Ruhestörer, wobei ihr Geifer tropfenweise aus dem Maule lief) verdarb sie es ganz mit ihrem Pfleger.» Ist das nicht vielleicht das Gehaben unseres Tatzelwurms?

Weiter heisst es bei Brehm, dass diese Echse an der Westseite der Kordilleren an den trockenen Orten haust und von Würmern, Kerfen und kleinen Amphibien und Reptilien lebt. Sie ist ein Nachttier, bewegt sich langsam und schwerfällig und schleppt, wenn sie alt geworden ist oder trächtig geht, den schweren Leib auf dem Boden. Im Alter wird das Tier aschgrau.

«Wenn man die Echse reizt, lässt sie ein tiefes Zischen oder Fauchen wahrnehmen, und es trieft ihr weisslicher, klebriger Geifer aus dem Maule, der von den sehr entwickelten Unterkieferdrüsen, durch die die Unterkiefergegend gleichsam geschwollen aussieht, abgesondert wird. Der Geifer wird den Furchenzähnen beim Escorpion durch einen, beim Gilatier durch vier bis fünf Kanäle aus den Giftdrüsen zugeführt. Die Zähne selbst sind meist ziemlich weit vom Zahnfleisch bedeckt und ragen nur mit ihrer glasartig durchscheinenden Spitze daraus hervor. Beim Biss aber schiebt sich, wie J. Berg mitteilt, das Zahnfleisch infolge des mechanischen Drucks zurück, so dass die Zähne fast zentimetertief eindringen können.»

Schuldirektor Nicolussi gelangt durch den Vergleich der Tatzelwurmberichte mit Brehms Schilderungen zu folgendem Schluss: «Diese 65 Geschichten (die er genau untersucht hat) können unmöglich alle aus der Luft und Phantasie genommen sein. Wenn wir sie nun mit den Ergebnissen der Wissenschaft auf dem Gebiet der giftigen Eidechsen in Beziehung bringen, so müssen wir bekennen: Der Tatzelwurm der Alpen und anderer Gebirge Europas lebt wirklich oder hat wenigstens noch vor wenigen Jahren gelebt. Der Tatzelwurm ist eine Krustenechse, der man den Fachnamen Heloderma europaeum geben kann, wenn nicht bekannt werdende Eigenschaften eine andere Bezeichnung erfordern.»

Quelle: http://www.markuskappeler.ch


 Gottesanbeterin muss sich mit einer Wespe eine Heuschrecke teilen

Gottesanbeterin (Mantis religiosa)
© MRF-Natur

Die Intrige

Theorie und Praxis der Hinterlist


Vorspiel mit der Teufelsmantis

Die Schöpfung lügt. Der Kosmos des Lebendigen, an dem wir uns freuen, weil er alles enthält, was schön ist, und weil er uns selbst wieder am Leben erhält, ist ein unabsehbarer Zusammenhang von Lüge, Täuschung, Tücke und todbringender Hinterlist. Jahrmillionen vor dem ersten Menschen gab es auf dem blauen Planeten schon die praktizierte Falschheit in allen denkbaren Variationen. Die Geschöpfe brauchen sie, um sich von anderen Geschöpfen zu ernähren und um sich fortzupflanzen.
Was lebt, muß Leben töten. Daher ist, was lebt, selbst immer in Gefahr, getötet zu werden, und sucht sich zu schützen. Das Töten wird dadurch schwieriger. Also muss, was lebt, Wege finden, das lebenerhaltende Töten einfacher zu machen.

Was lebt, muß sich vermehren. Dazu braucht es ein zweites Lebewesen. Also muß das erste zum zweiten gelangen oder Mittel finden, die Kopulation über größere Distanzen hin zu vollziehen. Es muß unter Umständen einen Go-between einsetzen. Der macht das nicht freiwillig; denn nichts, was lebt, ist von Natur aus hilfreich. Kuppeldienste werden nur geleistet im Gefolge einer Verlockung, einer Bestechung, einer Falle, einer List.

So gibt es Blumen, die ahmen Insekten nach, und Insekten, die ahmen Blumen nach, täuschend genau. Die Fliegenragwurz, Ophrys insectifera, eine kleine, zauberhaft elegante Pflanze, selten, aber in Mitteleuropa doch noch zu finden, hat ihre Blüte der Gestalt einer schmalen Fliege angeglichen, so überzeugend für wirkliche Fliegen, daß sie kopulieren wollen und sich an dem winzigen Phantom abarbeiten. Dabei stoßen sie mit dem Kopf an die Pollenpakete der Blume, Pollen bleiben am Kopf haften, und die erregten Tierchen befruchten damit beim nächsten aussichtslosen Versuch die nächste Ophrys insectifera.
Fliegen-Ragwurz ( Ophrys insectifera ) Fliegen-Ragwurz ( Ophrys insectifera ) wird von einer Wespe "bepaart" Fliegen-Ragwurz ( Ophrys insectifera )
Fliegen-Ragwurz
( Ophrys insectifera )
Eine Wespe beim Paarungsversuch
mit einer Fliegen-Ragwurz Blüte
Fliegen-Ragwurz im Habitat

Das ist eine komödiantische List. Den Gegenzug des Trauerspiels inszeniert die afrikanische Teufelsmantis, Idolum diabolicum. Ihr hat man mit dem wissenschaftlichen Namen schon zu verstehen gegeben, was von ihr moralisch zu halten sei. Sie spielt die schöne Blume, eine hängende, farbige, leis im Winde spielende Orchideenblüte mitten unter vielen wirklichen Orchideenblüten. Die langen Fangarme hält sie, wie es bei den Mantisarten, den Gottesanbeterinnen, üblich ist, neben den kleinen, dreieckigen Kopf erhoben. Diese Fangarme sind beim Idolum diabolicum breit und weich gelappt und farbig leuchtend wie Blütenblätter. Ein Insekt, das auf Nektarsuche von Blume zu Blume schwirrt, schwirrt bei dieser besonders schönen Blüte genau vor das hungrige Maul und zwischen die blitzartig zugreifenden Krallen.


Teufels-Mantis ( Idolomantis diabolica ) Teufels-Mantis ( Idolomantis diabolica ) Teufels-Mantis ( Idolomantis diabolica )
Teufels-Mantis ( Idolomantis diabolica )


Wie bei den Menschen erscheinen Lüge, List und Täuschung in der Natur auf zweifache Weise, bald als Simulation, bald als Dissimulation. Die Simulation spiegelt etwas vor, was nicht der Fall ist. Harmlose Fliegen geben sich das giftiggelbe Ansehen von stechenden Wespen, die ja ihrerseits nur deshalb so giftiggelb aussehen, damit man sie von weitem erkennt und meidet. Der Trick der wirklichen Wespen ist also die Bekundung der Wahrheit, und zwar so deutlich wie möglich, damit man sie nicht für eine angenehme Nahrung hält, während jene Fliegen, die tatsächlich eine angenehme Nahrung abgeben würden, diesen Wahrheitstrick simulieren. Die Dissimulation wiederum spielt nichts vor, sondern verbirgt und verheimlicht die wahre Beschaffenheit. Sie entzieht so das mögliche Opfer den gierigen Blicken. Fische gibt es, die hegen flach auf dem Seegrund, von Sand und Schlamm überspült. Das Wiesel oder Hermelin, ein schnelles kleines Raubtier, ist im Winter weiß, im Sommer erdfarbig. Das hilft beim Töten und schützt gegen das Getötet-werden zu jeder Jahreszeit. Nur die Schwanzspitze bleibt unverändert schwarz. Der Schulterumhang aus weissem Hermelin mit dem Kranz der baumelnden schwarzen Spitzen gehört zur Krönungstracht der Könige. Das ist schön und ominös zugleich. Die indonesische Schwester der Teufelsmantis, die Orchideenmantis, trägt quer über den Unterleib einen einfachen grünen Strich. Dadurch erscheint sie wie zwei übereinander hängende Blumen, und der Mantisumriß, der im Gehirn der potentiellen Opfer als Gefahrensignal gespeichert sein könnte, ist aufgelöst.

Orchideen-Mantis ( Hymenopus coronatus ) © bugsincyberspace.com Orchideen-Mantis ( Hymenopus coronatus )© insecte.org Orchideen-Mantis getarnt in einer Orchideenrispe
© dannesdjur.com
Orchideen-Mantis ( Hymenopus coronatus )


So simuliert in der Menschenwelt der Hochstapler den reichen Mann, mit allen Zeichen der Vornehmheit und der begüterten Lebensführung. So dissimuliert der Spion oder der "schlafende" Terrorist seine wahre Beschaffenheit, indem er unauffällig und freundlich unter freundlichen Nachbarn lebt, bis seine Stunde kommt.
Hamlet simuliert den Verrückten; Jago dissimuliert seinen tödlichen Haß.
Die Schöpfung lügt. Wohin man blickt, ist Täuschung. Selbst so gutmütige Geschöpfe wie die Erdbeere und die Sonnenblume geben etwas vor, was sie nicht sind. Die Erdbeere tut, als wäre sie eine einzige Frucht, die Sonnenblume, als wäre sie eine einzige Blüte. Denn nur so werden die Go-betweens, die für die Fortpflanzung sorgen müssen, auf die beiden überhaupt aufmerksam.
Dennoch wird das Monopol der Lüge seit alters dem Menschen zugesprochen. Hat er es nicht beim Sündenfall vom Teufel erworben und so eigenhändig in seine Welt gebracht? Oder soll man sich das Idolum diabolicum etwa schon im Garten des Paradieses denken, freundlich nickend vom Orchideenbaum? Wahr sei die ganze kreisende Natur, meinte Grillparzer, und unwahr sei nur der Mensch. In der Komödie "Weh' dem, der lügt!" läßt er den Bischof Gregor eine Predigt über Lüge und Wahrheit entwerfen, skizzierend, notierend, memorierend. Da erscheint die Differenz zwischen Mensch und Natur eindeutig genug:

Was, Mensch, zerstörst du deines Schöpfers Welt?
Was sagst du, es sei nicht, da es doch ist; Und wiederum, es sei, das es doch nie gewesen?

Wahr ist die ganze kreisende Natur; Wahr ist der Wolf, der brüllt, eh' er verschlingt,
Wahr ist der Donner, drohend, wenn es blitzt,
Wahr ist die Flamme, die von fern schon sengt,
Die Wasserflut, die heulend Wirbel schlägt;
Wahr sind sie, weil sie sind, weil Dasein Wahrheit.
Was bist denn du, der du dem Bruder lügst,
Den Freund betrügst, dein Nächstes hintergehst?
Du bist kein Tier, denn das ist wahr; Kein Wolf, kein Drach', kein Stein, kein Schierlingsgift:
Ein Teufel bist du, der allein ist Lügner, Und du ein Teufel, insofern du lügst.

"Dasein ist Wahrheit" - in seiner reinen Existenz, heißt das, in seiner einfachen Kreatürlichkeit ist jedes Lebewesen ganz wahr und wahrhaftig. Sein und Wahrsein sind eines und dasselbe. Deshalb verstößt der Mensch, der als einziger lügen, täuschen und betrügen kann, gegen das Wesen der Schöpfung und gegen den in dieser Schöpfung verkörperten Willen des Schöpfergottes. Und Grillparzer zögert nicht, das Stichwort fallen zu lassen, das für die skrupellosen Lügner und Ränkeschmiede seit Jahrhunderten gebraucht wird: Teufel. So kompliziert und zusammengesetzt die Geschichte des Teufels in der abendländischen Welt auch ist, eines Tages stand er für das Prinzip Lüge, und zwar sowohl als Urbild wie auch als konkrete Ursache in seiner Funktion des Anstifters und Verführers. Als "Vater der Lüge" wird er im Johannes-Evangelium bezeichnet. Selbst heute, da der Teufel zum bloßen Schlagwort geworden ist, zu einem leeren Umriß, kommen wir nicht ohne ihn aus, wenn wir unter dem Schock einer böswilligen Täuschung nach dem unzweideutigen Exempel suchen.
Was wäre geschehen, wenn Grillparzers Bischof das Idolum diabolicum in seine Predigt hätte einbauen müssen? Hätte er immer noch sagen können: "Wahr ist die ganze kreisende Natur"? Insofern als zur Lüge das Bewußtsein gehört, zum Betrug der böse Wille, hätte er bei seiner Aussage bleiben können. Die Natur lügt, aber sie will nicht lügen und weiß nicht, daß sie lügt. Die unabsehbaren Simulations- und Dissimulationsmanöver alles Lebendigen, vom harmlosen Bluff der Sonnenblume bis zur erlesenen Tücke des Ameisenlöwen, sind Ergebnisse der Evolution, nicht gewollt also, nicht beabsichtigt, sondern eines Tages durch Mutation und Selektion entstanden und durch erhöhte Überlebenschancen erhalten, ohne Absicht.


PETER VON MATT
"Die Intrige" Carl Hanser Verlag 2006

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 04.01.2006         Ergänzung des Originalartikels mit Bildern durch den WEB-Autor 01.02.08

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